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30.10.2026  00:00 |  #Machtstrukturen  |  Teilen
Die atlantische Herrschafts-Klasse
von Milner bis Epstein

Im Folgenden werde ich darlegen, dass der gesellschaftliche Zerfall und das zunehmend repressive Umfeld im Westen die Folgen der Transnationalisierung seiner herrschenden Klasse sind. -  Wie man die herrschende Klasse verstehen kann - Eine herrschende Klasse verdient diesen Titel, weil sie in der Lage ist, mithilfe der ihr zur Verfügung stehenden Mittel der Wertschöpfung und der Gewalt die Hebel des menschlichen Überlebens für den Rest der Gesellschaft zu kontrollieren. Unabhängig davon, welche Narrative um diese Fähigkeit gewoben...   [Quelle: free21-magazin.de]  JWD

....werden, ist dies der materielle Aspekt, ohne den sie ihre Herrschaft nicht aufrechterhalten kann. Kein Anspruch auf göttliches Recht, menschliche Freiheit oder historische Notwendigkeit wird die herrschende Klasse stützen können, wenn ihre Fähigkeit, Reichtum zu schaffen und ihren Willen mit gewaltsamen Mitteln durchzusetzen, ins Wanken gerät. Dann entsteht eine revolutionäre Situation, und letztendlich wird eine neue Klasse die Macht übernehmen.

Von  Kees van der Pijl | veröffentlicht am 23. Oktober 2026, |  Quelle: Free21
 

 
Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de | Symbolbild, erstellt mit ChatGPT, gemeinfrei
 

„Herrschaft“ ist daher letztlich gleichbedeutend mit der Macht über Leben und Tod. Kriege, aber auch Ausnahmezustände wie die jüngste Corona-Panik sind dementsprechend ebenso Beispiele für die Ausübung von Klassenherrschaft wie der gewinnorientierte Betrieb einer Wirtschaft [1]. Je weiter eine herrschende Klasse von Strukturen des Klassenkompromisses wie einem nationalen Parlament entfernt ist, desto repressiver und destruktiver wird ihre Herrschaft, wie wir heute sehen können. Selbst die mächtigsten Staaten wie die Vereinigten Staaten verfolgen kein „nationales Interesse“ mehr in dem Sinne, dass sie zum Wohle ihrer Gesellschaft als Ganzes handeln; vielmehr beutet die transnationale Herrschafts-Klasse die nordamerikanische soziale Basis ebenso rücksichtslos aus wie die anderer Länder und nutzt den US-Machtapparat in dem Umfang, wie es ihren eigenen Interessen dient – ungeachtet dessen, was mit dem Rest der Gesellschaft geschieht [2].

Heute ist der globalisierte Kapitalismus weltweit die vorherrschende Produktionsweise, wobei die merkantilistische staatliche Kontrolle nach wie vor wirksam ist; während im Bereich der Außenbeziehungen die souveräne Gleichheit von der atlantischen Herrschafts-Klasse, die versucht, eine „globale Governance“ durchzusetzen, hinter sich gelassen wird. Dagegen wehren sich die sogenannten Herausfordererstaaten – Gesellschaften, die sich hinter dem Prinzip der souveränen Gleichheit (wie im „Realismus“ der internationalen Beziehungen) verschanzen und merkantilistische Wirtschaftssysteme verfolgen. Die aktuelle Konstellation der G7 gegenüber den BRICS-Staaten ist hierfür das offensichtliche Beispiel.

Die Formierung der herrschenden Klasse wird heute vom Überwachungskapitalismus dominiert, der durch die Fortschritte in der Informationstechnologie (IT) ermöglicht wird. Aufgrund der kompromisslosen imperialistischen Politik des Westens gewinnt der BRICS-Block an Bedeutung, da er sich an den Grundsatz der souveränen Gleichheit hält und nicht an eine andere Produktionsweise als die, die merkantilistische Elemente beinhaltet. Vor diesem Hintergrund analysiere ich die Entstehung einer transnationalen Herrschafts-Klasse, in der der Westen nach wie vor eine Sonderstellung einnimmt.

Die englischen Ursprünge
des globalen Kapitalismus und der globalen Governance

Der Prozess der atlantischen Klassenbildung setzte erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Großbritannien und Nordamerika ein; während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er auf Westeuropa ausgeweitet, und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus erfasste der atlantische Zionismus den gesamten Westen.
 


Jede Phase stützte sich auf eine bestimmte Akkumulationsweise innerhalb des Kapitalismus: Finanzkapital (d.h. in Verbindung mit der Schwerindustrie); „Fordismus“, die Massenproduktion langlebiger Konsumgüter bei finanzieller Repression; und nach einer weiteren Runde finanzieller Liberalisierung der Aufstieg des Überwachungskapitalismus.



Diese Akkumulationsweisen sind wichtig, um die führenden „Kapitalfraktionen“ zu bestimmen, die unter einem bestimmten Kontrollkonzept den Kurs der herrschenden Klasse insgesamt vorgeben. [3]

Der gesellschaftliche Raum, in dem sich diese transnationale Herrschafts-Klasse herausbildete, lässt sich noch zwei Jahrhunderte weiter zurückverfolgen, bis zum Englischen Bürgerkrieg und der ihn abschließenden „Glorious Revolution“ von 1688. Im Gefolge des Sieges der Whigs auf den Britischen Inseln entstand die Freimaurerei als internationale Bewegung, die die „Glorious Revolution“ propagierte; die Aufklärung des 18. Jahrhunderts war ihre Blütezeit [4]. Die Freimaurerei lässt sich am besten als weitreichender Klassenkompromiss zwischen einer kommerziell orientierten Aristokratie und dem aufsteigenden Bürgertum verstehen. Sie trat gleichzeitig in vielen Ländern auf, stellte aber noch keine transnationale Klassenbildung im hier gemeinten Sinne dar, weil ihr meist der Aspekt eigenständiger Handlungsmacht fehlte. Gewiss waren die Loslösung der Vereinigten Staaten, die Französische Revolution und die Befreiung Lateinamerikas von der iberischen Oberherrschaft von ihr inspiriert. Die Freimaurerei war stets ein Schmiermittel transnationaler Kommunikation, doch ihre Handlungsmacht blieb überwiegend national geprägt und diente gelegentlich als Subunternehmer transnationaler Kräfte – in jüngerer Zeit etwa die Loge Propaganda Due (P2) in Italien in den 1970er Jahren, als sie im Interesse der atlantischen Herrschafts-Klasse dazu beitrug, den Kommunisten den Weg zu politischer Legitimität zu versperren.

 
Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

Initiation eines „Suchenden“ in die Freimaurerei. Kupferstich, 1745 in Frankreich. (Illustration: Unbekannt, Wikimedia Commons, gemeinfrei)
 

Die britische Industrielle Revolution, gespeist aus der weitgespannten imperialen Ressourcenbasis, machte das Land bis etwa 1860 zur führenden Weltmacht. Der Rest der Welt wurde entweder zur Peripherie oder folgte in seltenen Fällen dem Beispiel Frankreichs, das das erwähnte Modell des Herausfordererstaates etablierte: eine Verbindung merkantilistischer Politik mit dem Prinzip souveräner Gleichheit. Frankreich übernahm hier eine Pionierrolle, wurde unter der Bourbonenmonarchie jedoch im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) geschlagen. Die Französische Revolution modernisierte anschließend die Herausfordererposition, indem sie eine sich ihrer selbst bewusste Nation mobilisierte, die souveräne Gleichheit unterstützte. Auf dieser Grundlage erzielte Frankreich spektakuläre Erfolge; in der späteren Phase von Napoleons Herrschaft wurde es jedoch Opfer seiner imperialen Ambitionen. Das von Frankreich errichtete merkantilistische Kontinentalsystem erwies sich gegenüber der britischen Finanz- und Seeherrschaft als ineffizient. Anders lag der Fall, als Deutschland nach dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 von Bismarck geeint wurde und ebenfalls die Position eines Herausfordererstaates einnahm, mit Österreich-Ungarn im Gefolge. Großbritannien hätte diese rasch aufsteigende neue Formation allein nicht besiegen können, doch seine herrschende Klasse stand noch vor weiteren Herausforderungen. Hier beginnt unsere Darstellung der Entstehung einer transnationalen, atlantischen Herrschafts-Klasse mit wirksamer Handlungsmacht.

Phase 1: Die atlantische Wende der britischen Herrschafts-Klasse

Seit dem späten 19. Jahrhundert durchliefen alle großen Länder sowie die Vereinigten Staaten eine Phase nachholender Industrialisierung, um mit Großbritannien gleichzuziehen. Der Kapitalismus erlebte eine zweite Industrielle Revolution, geprägt von großindustrieller Schwerindustrie und Eisenbahnbau. Zusammengehalten wurde sie vom Finanzkapital, also von Banken, die eng mit Großkonzernen verflochten waren, deren Kapitalbedarf sie deckten und denen sie zugleich den Zugang zu Auslandsmärkten sicherten und/oder Schutz hinter Zollmauern verschafften. Ihr Kontrollkonzept war imperialistisch, das heißt chauvinistisch und sozialdarwinistisch.

Als Gegenbewegung zu diesem Konzept und seinem inhärenten Drang zum Krieg entstand in allen großen Industriestaaten, besonders im neu geeinten Deutschland, eine sozialistisch inspirierte Arbeiterbewegung. Bismarck band die deutsche Arbeiterbewegung in die Strategie des Herausfordererstaates ein und hielt sie durch die Sozialistengesetze, die die Tätigkeit der Sozialistischen Partei auf die parlamentarische Arbeit beschränkten, an der kurzen Leine. Zusammen mit einem gewissen Maß an sozialer Absicherung ermöglichte dies der deutschen Arbeiterbewegung (und jener der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie) eine soziale Autonomie: Der Alltag der Arbeiter folgte nicht dem bürgerlichen Ideal der selbstgenügsamen Kleinfamilie und des besitzorientierten Individualismus. Stattdessen konzentrierten sich Arbeitervereine und Genossenschaften auf soziale Teilhabe, Gesundheit und kulturelle Entwicklung [5]. Hier zeigte sich ein wichtiger Unterschied zwischen dem kapitalistischen Kernland und den Herausfordererstaaten.
 


Im liberalen Kernland wird die Bevölkerung rein quantitativ betrachtet: zu viele oder zu wenige, zu alt oder zu jung, bei Bedarf austauschbar – unabhängig von ihrem sozialen Zusammenhalt; je geringer dieser Zusammenhalt, desto besser.



Wer in einem Herausfordererstaat die Macht innehat – ich bezeichne dies als Staatsklasse, weil ihre Macht von der Kontrolle des Staatsapparats abhängt –, muss seine Bevölkerung dagegen qualitativ betrachten. Wie die übrigen Produktivkräfte innerhalb des souveränen Territoriums ist sie ein zentrales Gut, das die Staatsklasse nicht gegen ein anderes austauschen kann, weil ihre eigene Herrschaft an diesen Staat gebunden ist. Nicht aus Menschenliebe widmet sie der Bevölkerung daher besondere Aufmerksamkeit und übernimmt den „Schutz“ der Arbeiterklassen vor den Auswüchsen des Kapitalismus [6].


Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

Eine Publikation des Industrial Worker (IWW-Zeitung) von 1911, die für die Organisation der Arbeiter wirbt. Sie zeigt eine der Kritiken am Kapitalismus. Sie basiert auf dem Flugblatt der „Union Russischer Sozialisten“, das 1900 und 1901 verteilt wurde. (Illustration: Unbekannt, Wikimedia Commons, gemeinfrei)
 

Zusammen mit dem beispiellosen Aufschwung der deutsch-österreichischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur insgesamt – einem regelrechten „Artenschub“, der Nietzsches Begriff des Übermenschen inspirierte – und der Aussicht, all dies könne womöglich unter eine sozialistische oder sogar von der SPD geführte Koalitionsregierung geraten, entstand ein Problem, das die deutsche herrschende Klasse allein nicht bewältigen konnte. Gewiss waren Deutschlands Machthaber wegen ihrer starken sozialistischen Arbeiterbewegung beunruhigt und fantasierten darüber, wie ein Krieg das Problem lösen könnte [7]. Bei den anderen nationalen herrschenden Klassen war es nicht anders, doch die Briten blickten zugleich über die eigenen Grenzen hinaus – sowohl bei der Bestimmung des Problems (die deutsche Arbeiterbewegung verbunden mit dem raschen Fortschritt des Landes auf allen Gebieten) als auch bei der Lösung (ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten und Kriegsvorbereitungen). Aus der Vogelperspektive auf die internationale sozialistische Bewegung begannen sie, eine atlantische Annäherung anzustreben und jene Kräfte zusammenzuführen, die nicht nur das aufstrebende Deutschland in einer direkten Konfrontation souveräner Gleichrangiger besiegen konnten. Genauer gesagt übernahm die britische herrschende Klasse die Aufgabe, die europäische Arbeiterklasse zu zerschlagen, und lud ihre Amtskollegen jenseits des Atlantiks ein, sich ihr anzuschließen.

Die Macht in Großbritannien und im Empire hatte sich um jenen Personenkreis gebündelt, der den Burenkrieg (1899–1902) geführt hatte. Dieser Krieg war durch Cecil Rhodes’ Streben nach Gold und Diamanten ausgelöst worden, zeigte aber zugleich die Grenzen der britischen Militärmacht. Rhodes und seine Mitstreiter, die eine moralische Überlegenheit der englischsprachigen Welt vertraten – darunter der Generalgouverneur von Südafrika, Alfred Milner –, stellten das Personal einer erweiterten britischen Herrschafts-Klasse, die Aufgaben bewältigen konnten, die die Möglichkeiten der bisherigen Familiennetzwerke überstiegen [8]. Zur kapitalistischen Seite des Aufstiegs der Milner-Gruppe, der nach Rhodes’ Tod dessen Vermögen anvertraut wurde, gehörte der von J. P. Morgan organisierte atlantische Kreislauf des Finanzkapitals. Dass Morgan Milner die Leitung seiner Londoner Niederlassung anbot (Milner lehnte ab), verdeutlicht, wie eng die mit dem Eisenbahnbau und der Trustbildung in den USA nach dem Bürgerkrieg verbundenen Kapitalkreise mit der Bildung der transnationalen Klasse verflochten waren. An anderer Stelle habe ich analysiert, wie das Morgan-Netzwerk zum Finanzier des Entente-Blocks (mit Frankreich und Russland) gegen Deutschland wurde. Den deutschen Kapitalbedarf dagegen bedienten Morgans Wall-Street-Rivalen Kuhn und Loeb, die später in den Rockefeller/Chase-Orbit gerieten. Unterdessen wurde der Erste Weltkrieg über mehr als ein Jahrzehnt von der Milner-Gruppe und wichtigen liberalen Mitläufern in London minutiös vorbereitet. [9]
 


So diente die erste Form transnationaler Klassenbildung dazu, die europäische Arbeiterklasse zu zerstören – zunächst die deutschsprachige, aber auch die britische. So viel zum „nationalen Interesse“.



Dank des rechtzeitigen Eingreifens der USA „gewann“ Großbritannien, ging jedoch bankrott daraus hervor, spätestens nach der Fortsetzung von 1939–45. Das Blutbad des Ersten Weltkriegs war insofern transnational konzipiert, als die angloamerikanische Herrschafts-Klasse (Woodrow Wilson und die Morgan-Interessen in den USA, die Milner-Gruppe und die City in Großbritannien und den Dominions) die organisierte Arbeiterbewegung bewusst ins Visier nahm. Diese diagonale, grenzüberschreitende Perspektive kündigte die neue Form der Außenbeziehungen an: Global Governance. Wilsons Völkerbundprojekt und die damit verbundene Politik nationaler Selbstbestimmung, mit der die Ausbreitung der Russischen Revolution in Europa eingedämmt werden sollte, waren dabei ausdrücklich „global“ angelegt. Es muss kaum wiederholt werden, wie deutlich der Erste Weltkrieg die Bereitschaft der atlantischen Herrschafts-Klasse – wie auch ihrer kleineren nationalen Gegenstücke – offenbarte, Arbeiter buchstäblich auszulöschen und Europas progressive Zukunft zu zerstören.

Phase 2: Die Bildung einer euro-atlantischen
Herrschafts-Klasse gegen den Kommunismus

Die zweite große Phase transnationaler Klassenbildung fügte der etablierten angloamerikanischen eine weitere Schicht hinzu. Sie zielte darauf, Westdeutschland in einen erweiterten atlantischen Block zu integrieren; sie stellte die nationale Souveränität infrage und richtete sich letztlich erneut gegen Europas Arbeiterklasse, auf die die kommunistischen Parteien aufgrund ihrer Rolle im Widerstand und des durch den Sieg über Hitler-Deutschland gewonnenen Prestiges der UdSSR ihren Einfluss ausdehnten. Die damalige Akkumulationsweise war der Fordismus: finanzielle Repression im Sinne der Empfehlungen J. M. Keynes’ verbunden mit der nach dem US-Automobilhersteller benannten Massenproduktion langlebiger Konsumgüter. Der Antikommunismus diente dazu, militante Arbeiter zu isolieren und jene Sozialdemokratie der zweiten Generation zu bevorzugen, die zur Klassenkooperation, zum Kalten Krieg und zu neokolonialen Kriegen bereit war. Zugleich drängte die binnenwirtschaftliche Ausrichtung des Fordismus die weltmarktgetriebene Kapitalbewegung der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück und belebte vorübergehend das Element nationaler Demokratie, das heute weitgehend wieder verschwunden ist.



Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

Sozialistische Parteien und Organisationen (1863–1933) der Arbeiterbewegung in Deutschland. (Grafik: Arbeiterbewegung in Deutschland, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
 

Zum herrschenden Klassenmilieu im London der Kriegszeit gehörten Schlüsselfiguren der kontinentalen Exilgemeinschaft wie der in Deutschland geborene Prinz Bernhard der Niederlande, Unilever-Direktor Paul Rijkens und der polnische Agent Józef Retinger, ehemaliger Sekretär des polnischen Exilgenerals Sikorski. Sie entwickelten eine Nachkriegsstrategie, die den größeren westeuropäischen Wirtschaftsraum öffnen sollte, der durch nationale Wiederaufbaupolitiken zu zerfallen drohte. Frankreich unter de Gaulle und der Regierung der nationalen Einheit (mit symbolischer Beteiligung der Kommunistischen Partei) war das wichtigste Beispiel für diese Gefahr. Die European League for Economic Cooperation (ELEC), eines von Retingers Londoner Projekten, zog Großunternehmen an, die die Freihandelsideologie der Internationalen Handelskammer in Paris teilten. Direktoren französischer Unternehmen, zusammengeführt von der Finanzaristokratie (Baron Boël aus Belgien und der französische Bankier E. Giscard d’Estaing, Vater des späteren Präsidenten), bildeten das Rückgrat der ELEC. 1950 kam eine westdeutsche Gruppe unter Führung des Deutsche-Bank-Direktors Hermann Abs hinzu. Die Amerikaner hatten Abs trotz seiner Verurteilung als NS-Kriegsverbrecher an die Spitze der Wiederaufbaubank gesetzt, die US-Gelder in Westdeutschland verteilte. [10]

In London leitete Rijkens Planungsgruppen unter Beteiligung von Royal Dutch Shell und anderen Großkonzernen.
 


Doch bereits im August 1944 versammelte sich die deutsche Wirtschaft unter SS-Schirmherrschaft in Straßburg, um sich auf die Nachkriegszeit vorzubereiten. Vertreter von Krupp, Messerschmitt, Röchling, Rheinmetall, Volkswagen und zahlreichen weiteren Unternehmen erörterten die Notwendigkeit, Bündnisse mit dem atlantischen Kapital zu schmieden.



Umgekehrt waren Stahlkonzerne wie US Steel, Chemieunternehmen und andere aufgrund gemeinsam gehaltener Patente verpflichtet, mit deutschen Firmen zusammenzuarbeiten. Obwohl er in Straßburg nicht anwesend war, war der Leiter der NSDAP, Martin Bormann, daran beteiligt, über Schweizer Banken Kapital aus Kriegsgewinnen bereitzustellen, um diese Zusammenarbeit zu erleichtern. [11]

Bormann verschwand bekanntlich, doch alle anderen Namen tauchten Anfang der 1950er Jahre wieder auf, als Prinz Bernhard und Rijkens gemeinsam mit der CIA und mit Retinger als Vorsitzenden die Bilderberg-Konferenzen organisierten. Sie sollten schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen angloamerikanischen und kontinentaleuropäischen Wirtschaftspolitikern über den Handel mit dem Sowjetblock und China überbrücken und einen Konsens der euro-atlantischen Herrschafts-Klasse herstellen. Hermann Abs schloss sich Bilderberg 1958 an. Inzwischen waren US-Gewerkschaften in mehreren europäischen Ländern aktiv, um die Arbeiterbewegung entlang kommunistischer/antikommunistischer Linien zu spalten; zugleich wurde eine atlantische Untergrundarmee aufgebaut – später nach ihrer italienischen Komponente „Gladio“ genannt –, die nötigenfalls Gewalt gegen jene einsetzen konnte, die sich nicht überzeugen ließen [12]. Der Marshallplan trug wesentlich dazu bei, liberale Politiken in Westeuropa zu synchronisieren, verschärfte jedoch zugleich die Ost-West-Teilung Europas. Als de Gaulle 1958 zurückkehrte, um Frankreichs Entkolonialisierungskrise zu bewältigen, und wieder auf nationale Souveränität setzte, wurde er zum Ziel mehrerer Attentatspläne. Daraufhin kappte er 1966 Frankreichs militärische Bindungen an die NATO und zwang das Bündnis, sein Hauptquartier von Paris nach Brüssel zu verlegen.

Des Weiteren trug die neue Runde atlantischer Transnationalisierung dazu bei, den Zusammenhalt der herrschenden Klasse über die souveräne Gleichheit hinaus zu stärken. Wie schon in der vorangegangenen angloamerikanischen Phase richtete sich diese Einheit letztlich gegen die Bevölkerungen, auch wenn das fordistische Modell einen gewissen (ökonomischen) Klassenkompromiss einschloss. Politisch jedoch wurde den Menschen ihr souveränes Recht genommen, die nationale Politik zu beeinflussen (den einzigen, wenn auch begrenzten Rahmen, in dem ihre Stimme zählt), und sie mussten sich mit einer Demokratiesimulation auf europäischer Ebene begnügen, wie es der Tindemans-Plan von 1976 für ein Europäisches Parlament vorsah. Allmählich wurde der traditionelle Rahmen nationaler Politik ausgehöhlt: eine Rechte, die sich grob auf die besitzenden Klassen stützte, und eine Linke mit historischen Wurzeln in der Arbeiterklasse. Immer mehr Entscheidungen wanderten auf die supranationale Ebene, wo die transnationale Herrschafts-Klasse in Gremien wie Bilderberg ihren Kurs festlegt (Bilderberg bestand auch nach dem Korruptionsskandal der 1970er Jahre fort, der Prinz Bernhard zum Rücktritt als Vorsitzenden zwang). Damals entstanden zahlreiche vergleichbare Einrichtungen, darunter das Weltwirtschaftsforum, die Trilaterale Kommission (damals mit einer japanischen, heute asiatischen Beteiligung) und andere. Auch sie dienen als informelle Planungsnetzwerke der herrschenden Klasse und ergänzen formelle internationale Institutionen wie NATO und EU. Zusammen mit den Netzwerken wechselseitig verflochtener Vorstände großer Konzerne bilden sie die Infrastruktur der Herrschaft, die weiterhin zentral im atlantischen Raum verankert ist. [13]


Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

https://www.kopp-verlag.de/Nato-Geheimarmeen-in-Europa.htm?.... 
 

Im heutigen Europa könnte auf den ersten Blick der Eindruck entstehen, die Gewaltenteilung (trias politica) aus Exekutive, Legislative und Judikative sei auf europäischer Ebene in Gestalt der Kommission, des Europäischen Parlaments und des Gerichtshofs reproduziert worden. Tatsächlich funktioniert die Europäische Union jedoch nach einer „mehrdimensionalen“ Governance, in der die Kommission in enger Verbindung mit Wirtschaftsverbänden wie dem European Round Table of Industrialists und mit dem Ministerrat (beziehungsweise dem Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs) als Exekutive handelt, während der Gerichtshof vor allem damit beschäftigt ist, Prinzipien des freien Marktes verfassungsrechtlich zu verankern [14].
 


Da das Europäische Parlament lediglich eine Pappfassade ist, wurde die demokratische Dimension beseitigt. Die Möglichkeit nationaler Politik, diesen Kurs umzukehren, wurde faktisch abgeschafft; wie wir in der Slowakei gesehen haben, müssen abweichende Ministerpräsidenten um ihr Leben fürchten. In Rumänien und anderswo können Regierungen, die gegen die Richtung von EU oder NATO handeln wollen, bereits daran gehindert werden, überhaupt gewählt zu werden. Dissidenten können durch EU-Entscheidungen ihrer bürgerlichen Existenz beraubt werden, indem ihre Bankkonten geschlossen werden; dagegen ist kein Rechtsmittel möglich, weil der Rechtsstaat selbst außer Kraft gesetzt wurde.



Phase 3: Der Aufstieg des atlantischen Zionismus
nach dem Zusammenbruch des Kommunismus

Der weltweite Zusammenbruch des Kommunismus – also der unter diesem Banner auftretenden Arbeiterparteien, der Staaten des Sowjetblocks und schließlich der UdSSR selbst – beendete die Existenz der historischen Linken als möglichem Gegengewicht zur atlantischen Herrschafts-Klasse. Nachdem China, Vietnam und andere staatssozialistische Formationen bereits kapitalistische Eigentumsverhältnisse wieder eingeführt hatten, verflüchtigte sich die Vorstellung einer sozialistischen Gesellschaft; nur wenige belagerte Bastionen wie Kuba blieben. Die Sozialdemokratie hatte den Anspruch, die Gesellschaft zu verändern, schon aufgegeben: zunächst durch ihre Abkehr von der Russischen Revolution und um die Zeit des Zweiten Weltkriegs durch ihre Zustimmung zum fordistisch-keynesianischen Klassenkompromiss. Damit band sie ihr Schicksal an das des Kapitals und des Westens; ihr oberflächlicher Internationalismus machte sie unfähig, die Transnationalisierung oder die supranationalen Macht- und Einflussstrukturen der atlantischen Herrschafts-Klasse infrage zu stellen. Der Zusammenbruch des Kommunismus überließ daher die Verteidigung der Demokratie gegen „globalistische“ Macht national-populistischen Parteien, die vom Kapital leicht durchdrungen werden können. Die Sorge der Bevölkerung über den Abbau wohlfahrtsstaatlicher Regelungen wurde durch die massenhafte Einwanderung einer Arbeitsreserve vertieft, die die Zahl der von ihnen Abhängigen erhöhte. Die Einwanderung liefert den national-populistischen Parteien damit ein Thema, mit dem die historische Linke nicht umzugehen vermochte.

Seit den 1990er Jahren verlor Europa als Bollwerk gegen den Kommunismus für die atlantische Herrschafts-Klasse an Bedeutung. Die militärische Macht des Westens wurde daher über die NATO gegen Jugoslawien gerichtet: zum einen, um die deutsche und vatikanische Unterstützung für die Abspaltung der westlichsten Republiken zu überwinden, zum anderen, um die muslimischen Bollwerke Bosniens und Kosovo-Albaniens als Trittsteine zu den Energieressourcen des Nahen Ostens und des postsowjetischen Zentralasiens zu nutzen. Hier verband sich Israels Sorge, dass nach dem knappen Sieg im Krieg von 1973 künftig besser die USA Israels Kriege unter dem Banner eines „Kriegs gegen den Terror“ führen sollten (erstmals 1979 gehisst), mit dem westlichen Energiehunger [15]. Neben Jugoslawien zeigte sich Europas schwindendes Gewicht im atlantischen Kräfteverhältnis auch darin, dass russische Interessen bei der 1994 beschlossenen NATO-Osterweiterung missachtet wurden, womit feierliche Zusagen von 1989 gebrochen wurden. Dies schloss die Entwicklung für beide Seiten vorteilhafter Beziehungen zwischen EU und Russland faktisch aus.

So wie zu Morgans Zeiten der atlantische Kreislauf des Finanzkapitals den angloamerikanischen Aufstieg einer transnationalen Klassenmacht gestützt hatte, die sich gegen Deutschland richtete, und US-Direktinvestitionen in den 1950er und 1960er Jahren die Erweiterung zu einer euro-atlantischen Herrschafts-Klasse mit Figuren wie Paul Hoffman und Jean Monnet absicherten, überquerte in den 1990er Jahren israelisches Kapital in zentralen IT- und Kommunikationssektoren den Atlantik. In den USA verschmolz es mit dem bestehenden Dreieck aus Geheimdiensten, Multimedia und IT, das bereits von US-Zionisten dominiert wurde. Das Silicon Valley war weitgehend ihr Terrain, und die durch den Telecommunications Act von 1996 ausgelöste massive Medienkonzentration verstärkte ebenfalls das zionistische Element. Bereits im Jahr 2000 waren 110 israelische Unternehmen in New York börsennotiert; gemeinsam repräsentierten sie den doppelten Marktwert der 665 in Tel Aviv gelisteten Unternehmen. [17]



Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

Erinnerungstafel – Jean Omer Marie Gabriel Monnet (9. November 1888 – 16. März 1979) gilt vielen als der Architekt der europäischen Einheit. Monnet, der nie in ein öffentliches Amt gewählt wurde, wirkte als gut vernetzter, pragmatischer Internationalist hinter den Kulissen amerikanischer und europäischer Regierungen, 21.1.2006. (Foto: dbking, Wikimedia Commons, CC BY 2.0)
 

Bevor ich auf Epstein eingehe, dessen Rolle hierbei entscheidend war, möchte ich ein Beispiel für einen Vermittler bei der Herausbildung der atlantisch-zionistischen IT-/Finanzverbindung geben. Alvin B. Krongard, den Christopher Bollyn als „Israels Agenten bei der CIA“ bezeichnet, war ein wichtiger Akteur. Krongards vielfältige Rollen zeigen, dass „Geheimdienste“ in unserem Dreieck mit Wirtschaftssektoren wie IT und Medien durchaus vergleichbar sind. Als Vorstandsvorsitzender der ältesten Investmentbank der USA, Alex. Brown & Sons, reiste Krongard 1996 nach Israel, um mit Premierminister Shimon Peres über engere Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu beraten. Alex. Brown & Sons war auf Technologieunternehmen spezialisiert und beriet Scitex, ein israelisches Unternehmen mit Verbindungen zum Militärgeheimdienst, dessen Generaldirektor Yair Shamir, Sohn des früheren Premierministers Yitzhak Shamir, war. Shamir Jr. war außerdem Direktor von Orckit, einem Unternehmen für Hochgeschwindigkeits-Sprach- und Datenübertragung, das Alex. Brown in den USA an die Börse brachte. Orckit war von einem ehemaligen Kommandeur der Einheit 8200, dem Fernmeldeaufklärungsdienst des israelischen Militärs, gegründet worden; in den USA gewann es eine Ausschreibung, um für GTE zu arbeiten, eines der zehn größten Telefonunternehmen der Welt. Krongard beaufsichtigte unterdessen Ende 1997 die Fusion von Alex. Brown mit Bankers Trust und wechselte dann im Februar 1998 überraschend zur CIA und wurde Berater von CIA-Direktor George Tenet.
 


Die Bankenfusion erwies sich als Debakel; innerhalb eines Jahres wurde das Gebilde von der Deutschen Bank übernommen.



Bei der CIA war Krongard anschließend am Aufbau von In-Q-Tel beteiligt, der Risikokapitalgesellschaft, die der Behörde Zugang zur neuesten Informationstechnologie sichern sollte [18]. Im „Krieg gegen den Terror“ arbeitete Krongard als bezahlter Berater für das private Militärunternehmen Blackwater, dessen Eigentümer Eric Prince ein enger Freund war. Im März 2001 wurde Krongard Executive Director der CIA, die Nummer drei der Behörde..

Nun wenden wir uns Jeffrey Epstein und Robert Maxwell zu, dem Vater seiner Gefährtin Ghislaine. Ihre Aktivitäten als Organisatoren einer atlantisch-zionistischen Herrschafts-Klasse stellen selbst Krongards Rolle in den Schatten und sollten weitreichende Folgen für den Aufbau einer überwachungskapitalistischen Infrastruktur im gesamten Westen haben.

Maxwell und Epstein

Die angloamerikanische Herrschafts-Klasse nahm neben der direkten Konfrontation mit den deutschen Herausforderern auch die europäische Sozialdemokratie ins Visier; die euro-atlantische Klassenbildung wurde gegen den Kommunismus und die UdSSR mobilisiert. Der atlantische Zionismus, der der Bevölkerung von vornherein kaum oder gar keine produktive Einbindung zu bieten hatte, flankierte den Überwachungskapitalismus mit einem „Krieg gegen den Terror“ – gezielt gegen Muslime im Interesse Israels, letztlich aber gegen die Bevölkerung insgesamt. Vor diesem Hintergrund war Robert Maxwell, ein ursprünglich aus der Tschechoslowakei stammender Mossad-Agent, eine Schlüsselfigur bei der Vermarktung jener Überwachungstechnik, die zur Kontrolle von Bevölkerungen weltweit benötigt wurde.

Mitte der 1980er Jahre begann Maxwell, der nach seiner Namensänderung in Großbritannien Politiker und Medienunternehmer geworden war, ein Computerprogramm zu vermarkten, das für die Überwachungsoperationen des Marine-Oberstleutnants Oliver North eingesetzt wurde. Dies geschah zur Zeit der Iran-Contra-Affäre, als Israel den Iran – damals im Krieg mit dem Irak – heimlich bewaffnete und die Erlöse an die Contras weitergeleitet wurden, die gegen die progressive Regierung Nicaraguas kämpften. Die von North und seinem Team entwickelte Datenbank hieß MainCore und diente im Rahmen des Systems „Continuity of Government“ (COG) zur Überwachung inländischer Dissidenten. COG sollte eine Schattenregierung schaffen, falls die verfassungsmäßige Regierung zusammenbrechen oder handlungsunfähig werden sollte. MainCore nutzte das Prosecutor’s Information Management System (PROMIS), das von Inslaw Inc. entwickelt und vermarktet wurde, einem 1982 von einem ehemaligen NSA-Mitarbeiter gegründeten Unternehmen. Inslaw vermietete PROMIS an Ed Meese, den Justizminister der Reagan-Regierung und Teilnehmer der amerikanisch-israelischen Konferenz zum „Krieg gegen den Terror“ 1984 in Washington, D.C. [19]

PROMIS ermöglichte die Zusammenführung von Datenbanken in bis dahin unvorstellbarem Ausmaß und erregte deshalb die Aufmerksamkeit des israelischen Geheimdienststrategen Rafi Eitan, Menachem Begins „Berater für Terrorismus“. 1982 wurde Eitan unter falschem Namen das System vorgeführt; anschließend erhielt er die Software von einem ehemaligen Inslaw-Mitarbeiter. Danach ließ er von einem israelisch-amerikanischen Programmierer eine Hintertür, also einen geheimen Zugang, einbauen. Eine Vermarktungsvereinbarung führte daraufhin zu zwei PROMIS-Versionen: eine verschaffte dem israelischen Geheimdienst Zugang zu jeder PROMIS-Datenbank, die andere der CIA. Die CIA-Version konzentrierte sich vor allem auf Finanzdaten; die israelische Version von PROMIS spionierte US-Geheimdienste sowie den öffentlichen Sektor einschließlich des Militärs aus und zielte auf klassifizierte Informationen. [20]
 


Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

Global Economic Panel, Amsterdam, 1989. Von links nach rechts: Wisse Dekker (Philips), Hans van den
Broek, Henry Kissinger und Robert Maxwell, 11.4.1989. (Foto: Rob Bogaerts, Wikimedia Commons, CC0)
 

Robert Maxwell war eng an den Machenschaften beteiligt, aus denen diese beiden manipulierten Versionen von PROMIS hervorgingen. Beim Verkauf operierte er über Unternehmen, die als Tarnfirmen des israelischen Geheimdienstes dienten. Neben dem bereits erwähnten Scitex gehörte dazu Degem, ein Computerunternehmen, das in Mittel- und Lateinamerika sowie Afrika tätig war.
 


Maxwell vermarktete PROMIS so erfolgreich, dass der israelische Geheimdienst bald Zugriff auf die Kommunikation zahlloser Regierungen, Geheimdienste und Unternehmen hatte. In Lateinamerika nutzten die Diktaturen Chiles, Argentiniens und Guatemalas PROMIS; zugleich konnte der Mossad dank PROMIS ANC-Kader in Südafrika sowie lateinamerikanische Guerillaführer töten [21].



Maxwell wollte PROMIS außerdem an Los Alamos verkaufen, das US-Testgelände für Atomwaffen, was Israel Zugang zu amerikanischen Nukleargeheimnissen verschafft hätte. Statt Degem nutzte Maxwell für diese Operation ein neues Unternehmen in Berkeley, Kalifornien: Information on Demand, ebenfalls eine Tarnfirma des israelischen Geheimdienstes. Maxwells Tochter Christine wurde CEO von Information on Demand (ihre Schwester Isabel arbeitete ebenfalls für das Unternehmen). Nach dem verdächtigen Tod ihres Vaters 1991 (siehe unten) wurde die Firma in Research on Demand umbenannt [22]. Währenddessen überwachte der israelische Geheimdienst fortlaufend die Kommunikation von Institutionen, die PROMIS nutzten, und platzierte zugleich eigene Agenten an Schlüsselstellen.

Jeffrey Epstein machte seine Karriere bei der Investmentbank Bear Stearns unter der Protektion von Alan Greenberg, dessen Familie mit zionistischen Organisationen wie United Jewish Appeal und der Jerusalem Foundation verbunden war. Leslie Wexner, Dessous- und Immobilienmagnat aus Ohio, vertraute Epstein die Verwaltung seiner Finanzen und jener der Wexner Foundation an, die in den 1970er Jahren gegründet worden war, um vielversprechende jüdische Fachkräfte in Nordamerika sowie israelische Beamte in der mittleren Karrierephase zu fördern. Irgendwann gründete Wexner gemeinsam mit Charles Bronfman aus der zionistischen Seagram-Dynastie eine Gruppe der zwanzig einflussreichsten jüdischen Geschäftsleute Nordamerikas, die „Study Group“ oder „Mega Group“. Sie sorgten sich über das Ausmaß von Ehen zwischen Juden und Nichtjuden und befürchteten eine Verwässerung jüdischen Selbstbewusstseins – jene Angst vor Assimilation, die den Zionismus seit seinen Anfängen geprägt hat. Als langjähriger Vertrauter Wexners war auch Epstein in die Mega Group

Die Mega Group hob die etablierte Israel-Lobby auf eine neue Ebene. Die älteren Netzwerke, die John Mearsheimer und Stephen Walt maßgeblich analysiert haben, bestehen aus dem American-Israel Public Affairs Committee (AIPAC), dem Washington Institute for Near East Policy (WINEP) sowie Organisationen wie der Anti-Defamation League (ADL) oder Christians United for Israel (CUFI). Diese Kerngruppe ist von konzentrischen Interessenkreisen umgeben, die laterale Verbindungen zum zionistischen Staat aufweisen [23]. Ursprünglich sollte sich die Mega Group mit dem Problem der „nachlassenden Unterstützung für Israels Politik“ befassen. Neben Wexner sowie Charles und Edgar Bronfman (damals Präsident des World Jewish Congress) gehörten dazu: Max Fisher, der während der Kriege von 1967 und 1973 die US-Unterstützung für Israel organisiert hatte und 1975 Vorstandsvorsitzender von United Brands wurde, sowie Laurence Tisch, ein ehemaliger OSS-Mann, der neben dem Aufbau seiner eigenen Hotelkette mit Hilfe des wegen Junk-Bond-Betrugs bekannt gewordenen Michael Milken CBS übernahm. Weitere Mitglieder waren der Hilton-Erbe Lester Crown und der Filmemacher Steven Spielberg, ein Protegé Lew Wassermans, des einflussreichen Hollywood Strippenziehers, der zuvor Ronald Reagans Karriere gefördert hatte [24]. Auch die Familien Tisch und Bronfman erscheinen im 1996 erfassten Netzwerk gesellschaftlicher Kreise von Milliardären, einem weiteren Maßstab für die transnationale Herrschafts-Klasse [25].

Epstein wurde Mitte der 1980er Jahre von Maxwell mit dem israelischen Militärgeheimdienstoffizier Ari Ben-Menashe bekannt gemacht, nachdem er vermutlich bereits von Ehud Barak, dem damaligen Chef des israelischen Militärgeheimdienstes (AMAN) und späteren Premierminister, überprüft worden war. 1991, im Todesjahr Robert Maxwells, begann Epstein gemeinsam mit Maxwells jüngster Tochter Ghislaine sexuelle Erpressungsoperationen. Sie benutzten minderjährige junge Frauen, um eine wachsende Gruppe von Politikern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Geschäftsleuten zu kontrollieren. Laut Ben-Menashe war die Operation zunächst durch Israels Sorge über Clintons Haltung gegenüber dem zionistischen Staat motiviert. Amdocs, ein israelisches Unternehmen für Telefonabrechnung, das in den USA tätig war, gehörte zu dem Konsortium, das mit der Modernisierung der Telefonleitungen des Weißen Hauses beauftragt wurde; dadurch verfügte der israelische Geheimdienst über 30 Stunden aufgezeichneter Gespräche des Präsidenten mit Monica Lewinsky [26]. Inzwischen stand ein weiterer US-Präsident im Verdacht, aufgrund aufgezeichneter Beziehungen zu minderjährigen Mädchen und sogar Kindern manipuliert worden zu sein.
 


Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

Nach Angaben der William J. Clinton Presidential Library and Museum wurden diese Aufnahmen am 29.
September 1993 vom Fotografen des Weißen Hauses, Ralph Alswang, gemacht. Epstein und Maxwell
wurden dabei fotografiert, wie sie sich mit Clinton unterhielten, nachdem der Präsident bei einer
Veranstaltung für Spender des Restaurierungsprojekts des Weißen Hauses eine Rede gehalten hatte.
(Foto. Ralph Alswang, Wikimedia Commons, gemeinfrei)
 

Epstein vermutete tatsächlich, dass der israelische Geheimdienst beim Tod Maxwells eine Rolle gespielt habe. In einer E-Mail von 2018 erklärte Epstein, Maxwell habe versucht, den Mossad zu erpressen und gedroht, „wenn sie [der Mossad] ihm nicht 400 Millionen Pfund geben, um sein zerfallendes Imperium zu retten, werde er alles offenlegen, was er für sie getan habe“ [27]. Geheimdienstkontakte sind stets von Geheimhaltung umgeben, doch Epsteins hochrangige Verbindungen zum israelischen Geheimdienst wurden durch die jüngste (unvollständige) Veröffentlichung der Epstein-Akten bestätigt.
 


Ein FBI-Vermerk berichtete, er sei ein „kooptierter Mossad-Agent“ gewesen und vom israelischen Geheimdienst „zum Spion ausgebildet“ worden.



Sein zionistisches Profil wird durch seine Finanzierung der Friends of the Israeli Defence Forces, der Siedlerorganisation Jewish National Fund und anderer israelischer Gruppen untermauert. Seine Verbindungen zu US-Geheimdiensten liefen über seinen langjährigen Anwalt und Harvard-Professor Alan Dershowitz; über ihn stand Epstein auch mit Studenten aus wohlhabenden Familien in Kontakt, darunter Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und dessen Bruder Josh [28].

Epstein war somit ein zentraler Vermittler in den Netzwerken, aus denen sich die atlantisch-zionistische Herrschafts-Klasse zusammensetzte, mit hochrangigen Geheimdienstverbindungen auf beiden Seiten des Atlantiks und einer Rolle in überwachungskapitalistischen Operationen, die für die neue Akkumulationsweise charakteristisch waren. Zu seinen Kontakten gehörten neben Leslie Wexner und der Mega Group auch Spitzenmanager von J. P. Morgan Chase. Der ehemalige FBI-Agent Shaun O’Neill erklärte, die Bank habe Epsteins Aktivitäten nicht nur finanziert, sondern auch die gerichtlichen Ermittlungen gegen ihn behindert. Jes Staley, zunächst Leiter der Vermögensverwaltung von J. P. Morgan und später der Privatbank, war ein wichtiger Epstein-Kontakt. Leon Black, milliardenschwerer Mitgründer der Private-Equity-Gesellschaft Apollo Global Management, war an einem Projekt zur Aufwertung des israelischen Ansehens beteiligt; die achtbändige Reihe Jewish Lives wurde in einer Kooperation von Yale University Press und der Leon D. Black Foundation veröffentlicht. Insgesamt zahlten wohlhabende Geldgeber Epstein und seinen engsten Mitarbeitern 2,4 Milliarden Dollar. Zwei Autoren fragten deshalb in CounterPunch: „Waren diese 2,4 Milliarden Dollar Schweigegeld? Waren es Gebühren für Sex und/oder Dienstleistungen für den israelischen Geheimdienst?“ [29]

Epstein machte Ehud Barak außerdem mit Peter Thiel von Palantir bekannt, dem Kronjuwel des atlantischen Überwachungskapitalismus und privatisierten Nachfolger des ursprünglichen Programms Total Information Awareness, das unter Admiral John Poindexter im Pentagon entwickelt worden war. 2015 eröffnete Palantir ein Büro in Tel Aviv, um Israels IT- und Technologiesektor zu stärken. Zu weiteren bedeutenden Epstein-Kontakten gehörten Tony Blair, Peter Mandelson und Ariane de Rothschild aus der berühmten Bankiersdynastie [30]. Die großen Konzernmedien des Westens zogen es jedoch vor, die sensationellen Einzelheiten der Erpressungsoperationen von Epstein und Ghislaine hervorzuheben und darüber zu berichten, wer auf den Besucherlisten für Epsteins Insel, seine Ranch in New Mexico und sein New Yorker Penthouse stand – Orte, die sämtlich mit Abhörtechnik versehen waren, um kompromittierendes Verhalten aufzuzeichnen. Das Schweigen der Medien über die Beteiligung der transnationalen Herrschafts-Klasse hat einen guten Grund: die Verstrickung ihrer Eigentümer in diese Netzwerke [31].

Die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden wussten zunächst nicht, was „Mega“ bedeutete; dank Whitney Webb wissen wir jedoch, dass es sich um jene zionistische Milliardärsgruppe mit Verbindungen sowohl zur Geheimdienstwelt als auch zum organisierten Verbrechen handelte [32]. In der Regierung von George W. Bush, die im Januar 2001 ihr Amt antrat, fallen bei Schlüsselfiguren der Strategiebildung wie Richard Perle besonders die Verbindungen zum Technologiesektor auf; nur jene zum Finanzsektor waren noch ausgeprägter. Perle, eine prominente Figur unter den atlantischen Zionisten, leitete 1996 die Ausarbeitung eines neuen Kontrollkonzepts für eine künftige israelische Regierung; auf amerikanischer Seite entsprach ihm das Project for a New American Century (PNAC), wobei an beiden Projekten mehrere prominente Zionisten beteiligt waren [33].
 


Screenshot  |  Quelle: free21-magazin.de

 

Ein weiterer Knoten im atlantisch-zionistischen Netz neben der Mega Group war der Challenge Fund, eine israelische Geheimdienstoperation, in die vor allem die Familien Bronfman und Andreas investierten. Die Bronfmans wurden bereits erwähnt; die Familie Andreas ist die treibende Kraft hinter dem Getreidehändler Archer Daniels Midland (ADM). An der Spitze der Challenge Partners, die den gleichnamigen Fonds verwalten, steht Joseph Ciechanover, ein Israeli, der früher Vorsitzender von El Al und Verwaltungsratsvorsitzender der Israel Discount Bank (IDB), der drittgrößten Bank des Landes, war und zudem mehrere politische Ämter in Außen- und Verteidigungsfragen bekleidete. Zu Challenge gehören außerdem Generalmajor Ilan Biran, Verwaltungsratsvorsitzender von Rafael, einem israelischen Rüstungskonzern; David Ivry, Präsident von Boeing Israel, zweimal Vorsitzender des Verwaltungsrats des Luft- und Raumfahrtkonzerns IAI und enger Mitarbeiter des US-Antiterrorchefs Richard Clarke; sowie Jacob Perry, ehemaliger Leiter des Shin Bet und nach seinem Ausscheiden Präsident von Cellcom, Israels größtem Mobilfunkunternehmen. Auch Avi Naor von Aurec/Amdocs ist mit Challenge verbunden. Schließlich war zeitweise auch Yair Shamir, der bereits erwähnte Sohn des israelischen Premierministers Yitzhak Shamir, Manager von Challenge. [34]
 


Zur gemeinsamen Weltsicht der USA und Israels gehörte auch Washingtons Verteidigung israelischer Kriegsverbrechen, teilweise motiviert durch Sorgen um die Rechtmäßigkeit eigener amerikanischer Militäroperationen im Ausland. Ein weiterer verbindender Faktor ist die ähnliche Erfahrung einer Pioniergesellschaft, die das Land von als minderwertig und/oder irrelevant betrachteten Einheimischen erobert.



Vor diesem Hintergrund dient die Struktur der Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten dazu, sicherzustellen, dass die wesentlich größere und vielfältigere nordamerikanische Gesellschaft nicht von dieser gemeinsamen Sicht auf Israel abweicht, und zugleich zu verhindern, dass abweichende jüdische Positionen Einfluss gewinnen [35]. Es versteht sich von selbst, dass diese Aufgabe seit der von Israel nach dem von der IDF ermöglichten Ausbruch des bewaffneten palästinensischen Widerstands im Oktober 2023 entfesselten genozidalen Kampagne in Gaza erheblich schwieriger geworden ist.

Die Integration zwischen den Vereinigten Staaten und Israel im Rahmen des atlantischen Zionismus erreichte mit Plänen, ihre jeweiligen Streitkräfte in einer einzigen Struktur zusammenzuführen, eine neue Stufe [36]. Dies geschieht trotz der unsäglichen Gräueltaten, die Israel seit seiner Gründung begangen hat und die in den vergangenen Jahren weithin öffentlich bekannt geworden sind – mit der verspäteten Folge mehrfacher Verurteilungen durch die höchsten internationalen Gerichte der Welt wegen des Völkermords an den Palästinensern. Die geplante militärische Verschmelzung hebt frühere Projekte wie In-Q-Tel auf die Ebene einer umfassenden Fusion der amerikanischen und israelischen Militärmaschinen. Beide Länder haben, mit Europa im Schlepptau, faktisch der Welt den Krieg erklärt und stoßen bei ihrem letzten Versuch, globale Governance durchzusetzen, nur auf den Widerstand der BRICS-Staaten – und auch dieser bleibt aufgrund der Ambitionen ihrer eigenen Oligarchen halbherzig.

Erneut führt die Transnationalisierung der herrschenden Klasse zu endlosen Massakern unter Völkern, die zur Vernichtung bestimmt sind. Die westlichen Bevölkerungen wiederum bezahlen für private „Money Making Schemes“, die, wie Julian Assange behauptet hat, an die Stelle einer auf den Sieg ausgerichteten Militärstrategie getreten sind.


Dieser Text wurde zuerst am 31.07.2026 auf www.propagandainfocus.com unter der URL <https://propagandainfocus.com/the-atlantic-ruling-class-from-milner-to-epstein/> veröffentlicht. Lizenz: Kees van der Pijl, Propaganda in Focus, CC BY-NC-ND 4.0
 

Autor: Kees van der Pijl

Kees van der Pijl war Dozent für Internationale Beziehungen an der Universität Amsterdam und von 2000 bis 2012 Professor an der University of Sussex im Vereinigten Königreich. Seine Bücher erschienen auf Niederländisch, Englisch, Spanisch, Deutsch, Türkisch und Russisch. Zu ihnen gehören „The Making of an Atlantic Ruling Class“ (1984, Neuausgabe 2012) und „Global Rivalries from the Cold War to Iraq“ (2006), „The Discipline of Western Supremacy“ (2014), „Flight MH17“, „Ukraine and the New Cold War“ (2018) sowie „States of Emergency. Keeping the Global Population in Check“ (2022). Er gab außerdem mehrere Sammelbände heraus, zuletzt das „Handbook of the International Political Economy of Production“ (2015).
 


Quellen:

    [1] I have worked this out in States of Emergency. Keeping the Global Population in Check. Atlantia, Georgia: Clarity press, 2022.

    [2] Trump’s slogan ‘Make America Great Again’ was intended to turn the tide but obviously only a disempowerment of the ruling class can achieve such a result, as we can see today.

    [3] Bob Jessop and Henk Overbeek, eds. Transnational Capital and Class Fractions. The Amsterdam School Perspective Reconsidered [foreword, Gerd Junne]. London: Routledge, 2019; Jonathan Nitzanand Shimshon Bichler, ‘Bringing capital accumulation back in: the Weapondollar-Petrodollar coalition—Military contractors, oil companies and Middle East “energy conflicts”.’ Review of International Political Economy, 2 (3) and their work since.

    [4] Margaret C. Jacob, Living the Enlightenment. Freemasonry and Politics in Eighteenth-Century Europe. New York: Oxford University Press, 1991.

    [5] William F. Drischler, The Yankees did it! The Origins of World War I and the Russo-Ukrainian Conflict, 2022-2024. Self-published, 2024, p. 56.

    [6] Antonio Gramsci, Selections from the Prison Notebooks [trans. and ed. Q. Hoare and G.N. Smith]. New York: International Publishers 1971 [written 1929-’35], p. 262.

    [7] Documented by Fritz Fischer, Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18, abridged edition. Düsseldorf: Droste, 1984 [1961].

    [8] Carroll Quigley, The Anglo-American Establishment. From Rhodes to Cliveden. New York: Books in Focus, 1981 [1949] and Tragedy and Hope. A History of the World in Our Time. San Pedro, Cal.: GSG Books, 1998 [1966].

    [9] See my Making of an Atlantic Ruling Class, London: Verso 2012 (1984); Gerry Docherty and Jim Macgregor, Hidden History. The Secret Origins of the First World War. Edinburgh: Mainstream Publishing, 2013.

    [10] See my Een Amerikaans plan voor Europa. Amsterdam: SUA, 1978, pp. 101-2, citing F.X. Rebattet, The European Movement 1945-1953. Unpublished doctoral dissertation, St. Anthony’s College, Oxford University, 1962.

    [11] Tony Gosling, The Traitors of Arnhem—Martin Bormann and the Bilderberg Group, 2nd ed. Bristol: Gosling Publishing, 2024 [2021], pp. 36-9; I. F. Stone, ‘The Nazi Industrial Plot for the Next War’ and Ámerican Big Business and the Future of the Reich’[both from 1945] in The Truman Era. New York: Vintage,1973 [1953], pp. 18-23.

    [12] Daniele Ganser, NATO’s Secret Armies. Operation Gladio and Terrorism in Western Europe. London: Frank Cass, 2005.

    [13] The shifting structure of the transnational ruling class (networks of interlocking directorates, planning groups, families and social networks) between 1996 and 2006 is documented in William K. Carroll, The Making of a Transnational Capitalist Class. Corporate Power in the Twenty-First Century. [with C. Carson, M. Fennema, E. Heemskerk, and J.P. Sapinski]. London: Zed Press, 2010.

    [14] Otto Holman, ‘Asymmetrical regulation and multidimensional governance in the European Union’ (2004) in Jessop and Overbeek, Transnational Capital and Class Fractions, pp. 149-51.

    [15] What followes largely draws on my forthcoming Israel and 9/11.

    [16] This triangle of is in my States of Emergency pp. 77-84; Jonathan Nitzan and Shimshon Bichler, The Global Political Economy of Israel, London: Pluto Press, 2002, p. 272, fig. 5.9; see also Shoshana Zuboff, The Age of Surveillance Capitalism. The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. London: Profile Books, 2019.

    [17] Nitzan and Bichler, Global Political Economy of Israel, pp. 345-6.

    [18] Christopher Bollyn, ‘9-11 and Alvin Krongard—Israel’s Agent at the CIA.’ New 911 Inside Job, 27 March 2012 (online).

    [19] Whitney Webb, One Nation Under Blackmail. The sordid union between Intelligence and Organized Crime that gave rise to Jeffrey Epstein. Waltersville, Oregon: Trine Day. 2022. 2 vols. Vol. 1, p. 382.

    [20] Ibid., pp. 390-391; on Maxwell’s role, vol. 2, p. 363.

    [21] Ibid., vol. 1, pp. 386-7.

    [22] Ibid., pp. 389-91 and vol. 2, p. 162; on Ls Alamos, pp. 291, 294.

    [23] John J. Mearsheimer and Stephen M. Walt. The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy. New York: Farrar, Straus and Giroux, 2007, p. 113.

    [24] Webb, One Nation Under Blackmail, pp. 77, 124-5, cf. 110; Mearsheimer and Walt, The Israel Lobby, p. 128.

    [25] Carroll, The Making of a Transnational Capitalist Class, p. 148, Fig. 6.6.

    [26] Ibid. vol. 2, pp. 8, 20-2, 128-91; Misha Glenny, McMafia. Seriously Organised Crime. London: Vintage, 2009, pp. 22-3.

    [27] Simon Speakman Cordall, ‘What Were Jeffrey Epstein’s Links to Israel?’ Al Jazeera, 9 February 2026 (online).

    [28] Ibid.

    [29] Pam Martens and Russ Martens, ‘The Billionaires in the Epstein Files and Their Ties to Israel’. CounterPunch, 11 August 2025 (online).

    [30] Richard Gizbert, ‘The Anatomy of the Epstein Network’. Interview with Meenakshi Ravi (contributions by Murtaza Hussain). The Listening Post, Al Jazeera, 9 February 2026 (online); and ‘Epstein, Israel’s Barak discussed “gigantic” consultancy sums paid to Blair’ Al Jazeera (staff report), 4 February 2026 (online)

    [31] Murtaza Hussain in Gizbert, ‘The Anatomy of the Epstein Network’.

    [32] Webb, One Nation Under Blackmail, vol. 2, pp.125-7.

    [33] Bastiaan van Apeldoorn and Naná de Graaff, American Grand Strategy and Corporate Elite Networks. The Open Door since the end of the Cold War. London: Routledge, 2016, pp. 147-8, fig. 5.2; Richard Perle et al., A Clean Break: A New Strategy for Securing the Realm. Jerusalem and Washington: The Institute for Advanced Strategic and Political Studies, 1996.

    [34] Christopher Bollyn, Solving 9/11. The Deception That Changed the World [foreword, G. Stanish]. Self-published, 2012, pp.179-82.

    [35] Mearsheimer and Walt, The Israel Lobby, pp. 122-4.

    [36] ‘Military Merger’, interview with Dennis Kucinich. The Tucker Carlson Show, 6 July 2026 (online)

Link zum Originaltext bei ' Free21 ' ..hier

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