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29.04.2026 00:00 |
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Die Metamorphose der Vereinigten Staaten (II) -
Donald Trump erkennt die
Grenzen des Jacksonismus an
Die Ereignisse entwickeln sich ungünstig. Gerade
als Präsident Trump seinen Kulturkampf gegen die katholische Kirche
startet, um den angelsächsischen und nicht den aztekischen Charakter
seines Landes zu bekräftigen, erleidet er eine schwere Niederlage
gegenüber dem Iran. Er muss feststellen, dass seine Art,
Handelsangelegenheiten zu führen, die Diplomatie nicht ersetzen kann,
zumindest nicht bei diesem Gesprächspartner. Und dass seine Jackson’sche
Ideologie, ... [Quelle: voltairenet.org]
JWD
...die in innenpolitischen Fragen Wunder wirkt, keine Antwort auf
strategische Probleme bietet. Donald Trump ist sich der Sackgasse
bewusst, in der er sich befindet, und passt sich an. Er ändert seine
Haltung von Grund auf.
Von
Thierry Meyssan | Quelle: Voltaire Netzwerk | Paris
(Frankreich) | 28. April 2026

Screenshot | Quelle:
voltairenet.org
|
Am 21. April 2026 war Präsident Trump in Louisville (Kentucky), um
Henry Clay, den historischen Gegner von Präsident Andrew Jackson,
zu würdigen. Er wollte damit zeigen, dass er auf die Stimmen des
Volkes und seiner Berater gehört hatte und seine Vorgehensweise
ändern würde. |
Am 21. und 22. Juni 2025 ordnete Präsident Donald Trump die
Bombardierung iranischer Nuklearanlagen an (Operation „Midnight
Hammer“). Offiziell ging es darum, jegliche Fähigkeit zur Herstellung
einer Atombombe zu zerstören. Inoffiziell zielte diese Operation vor
allem darauf ab, Israel einen Vorwand für den Einsatz einer Atombombe
gegen den Iran zu nehmen, wie mehrere Politiker angedeutet hatten.
Wie dem auch sei, das Pentagon stellte fest, dass die iranischen
Anlagen so tief unter der Erde lagen, dass es sie nicht erreichen
konnte. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Folgen diese
Bombardements gehabt hätten, wenn sie ihre Ziele getroffen hätten.
Diese Operation bot Washington Anlass, seine Fähigkeiten zum Sturz des
von Khomeini errichteten Regimes und vor allem seine allgemeine
Strategie zu hinterfragen. Bei der Bildung seiner Regierung hatte
Donald Trump zugestimmt, dass sein Vizepräsident, JD Vance, einen
seiner Freunde, Elbridge Colby, zum Unterstaatssekretär im
Verteidigungsministerium ernennen durfte. Dieser Stratege war bereits
während Trumps erster Amtszeit tätig gewesen. Er hatte ihm seine „Theory
of Denial“ dargelegt: Um sicherzustellen, dass die Vereinigten Staaten
die führende Weltmacht bleiben und China sie nicht überholt, dürfe man
China nicht militärisch bekämpfen, sondern müsse ihm die für seine
Entwicklung notwendigen Energie- und Rohstoffressourcen vorenthalten [1].
Elbridge Colby ist die einzige Persönlichkeit aus der Ära Obama-Biden,
die bei Donald Trump einen Posten bekommen hat. Er war in der Tat
einflussreich in der Politik der Demokraten gegenüber dem Iran und
arbeitete für WestExec Advisors, das Unternehmen von Antony Blinken.
Mit Beginn der Operation „Midnight Hammer“ begann sich Donald Trumps
Rhetorik zu wandeln. Bis dahin hatte er sich vor allem darum
gekümmert, den Dollar vor seiner abgrundtiefen Staatsverschuldung zu
retten. Er hatte die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien
um finanzielle Unterstützung gebeten und immer wieder mit scharfen
Äußerungen versichert, er habe keinerlei Liquiditätsprobleme. Er hatte
nacheinander gigantische Investitionen für eine „goldene Kuppel“ und
eine „goldene Flotte“ angekündigt. All das war jedoch nur
Augenwischerei, da die Golfstaaten ihre Liquidität bereits
aufgebraucht hatten und die Rüstungsprojekte noch nicht einmal
ansatzweise in Angriff genommen worden waren.
Colby wandte sich an John Ratcliffe, den Direktor der CIA, um zu
überlegen, wie man China seine Ressourcen im Ausland entziehen könnte.
Er war selbst der Enkel von William Colby, dem CIA-Direktor unter
Richard Nixon. Er war es, der gemeinsam mit seinem alten Freund, dem
französischen General Paul Aussaresses, die Diktaturen in
Lateinamerika installierte [2].
Im September und Oktober 2025 entsandten Colby und Ratcliffe Agenten
nach Katar, um sich dort mit Delcy Rodríguez, der Vizepräsidentin der
Bolivarischen Republik Venezuela, und Yussef Abou Nassif Smaili, ihrem
Lebensgefährten, zu treffen. Dabei geht es darum, die Lage auszuloten
und zu prüfen, wie die junge Frau dazu beitragen könnte, Nicolás
Maduros autoritären Kurs zu stoppen [3].
Als sich die Möglichkeit bestätigte, dass die Vizepräsidentin die Lage
in Caracas beruhigen könnte, wurde die Operation vom SouthCom
vorbereitet, während die CIA dafür sorgte, dass der Eindruck entstand,
ihr Ziel sei die Unterbindung des Drogenhandels. Ihr eigentliches Ziel
wurde durch die Zerstörung einiger mit Drogen beladener Boote
verschleiert. In Wirklichkeit geht es darum, sicherzustellen, dass
venezolanisches Öl nicht mehr nach China gelangt (die „Strategy of
Denial“). Die ganze Welt fällt darauf herein, wobei die Linke – zu
Unrecht – glaubt, die Kapitalisten wollten sich das venezolanische Öl
aneignen („Operation Absolute Resolve“, 3. Januar 2026).
Colby und Ratcliffe bereiten bereits die nächste Operation vor.
Diesmal geht es darum, China das iranische Öl vorzuenthalten, das 40 %
seiner Energieimporte ausmacht. Die beiden Männer nehmen daraufhin
Kontakt zu ihren Verbindungen in Tel Aviv auf. Es geht darum, Benjamin
Netanjahu zu suggerieren, dass man ihm freie Hand lassen werde, wenn
er den Iran angreife. Tatsächlich schlägt dieser den Vereinigten
Staaten sofort vor, einen Regimewechsel in Teheran zu organisieren.
Colby und Ratcliffe sind beide davon überzeugt, dass ein Regimewechsel
unwahrscheinlich ist und dass der Iran keine Atombombe vorbereitet.
Ihr Ziel ist es lediglich, China in die Enge zu treiben. Präsident
Trump ist überzeugt, dass die NATO-Verbündeten den Vereinigten Staaten
erneut dabei helfen werden, einen Regimewechsel zu orchestrieren. Er
erreicht, dass Frankreich kurdische Scharfschützen im Irak ausbildet,
um auf Demonstranten und Polizisten (in Iran) zu schießen und so das
Chaos zu provozieren, das dem „Sturz der Ayatollahs“ vorausgehen wird.
Unterdessen organisiert Finanzminister Scott Bessent den Bankrott der
Ayandeh-Bank [4], bei der die Ersparnisse der
Basarhändler angelegt sind.
Am 23. Oktober 2025 geht die Ayandeh-Bank in Konkurs. Die Einleger
beginnen zu demonstrieren. Sie sind ruiniert. Einige von ihnen sind
wohlhabende Basarhändler. Die Gesellschaft ist in Aufruhr, doch
niemand stellt das Regime in Frage. Im Januar 2026 beginnen kurdische
Scharfschützen, Demonstranten und Polizisten zu ermorden. Jeder
glaubt, die gegnerische Seite sei allein verantwortlich, doch in
Wirklichkeit sind es Dritte, die den Anschlag verübt haben, die jedoch
unsichtbar bleiben.
Donald Trump versichert, dass er nicht zulassen werde, dass die
Revolutionsgarden ihr eigenes Volk niedermetzeln. Die Westler, die
davon überzeugt sind, dass Nicht-Westler nicht zivilisiert seien,
unterstützen die „Verteidigung der Demokratie“. Das war’s dann.
Israel, das nicht-jüdische religiöse Führer nicht respektiert,
ermordet den Obersten Führer. Die Vereinigten Staaten ziehen sofort
nach.
Was dann folgte, war nicht vorgesehen: Der Iran, der sich seit 48
Jahren darauf vorbereitet, sich von den Kolonialmächten zu befreien
und anschließend den Rest der Welt davon zu befreien, ist gut
geschützt. Die israelisch-amerikanischen Bombardements schaffen es
zwar, das Land zu enthaupten, doch es treibt sofort wie eine Hydra
neue Köpfe aus. Das ist jedoch keineswegs überraschend: 1981 gelang es
den Volksmudschaheddin, auf einen Schlag 70 Führungskräfte zu
ermorden, darunter Ayatollah Seyyed Mohammad Hosseini Beheshti, die
damalige Nummer 2 des Landes, und etwa zehn Minister. In den beiden
folgenden Tagen waren sie alle ersetzt worden.
Schlimmer noch: Der Iran, der den Angriff vorausgesehen und seine
Gegenmaßnahmen schon seit langem vorbereitet hatte, greift die
US-Militärstützpunkte der Region an. Innerhalb weniger Stunden macht
er der westlichen Lufthoheit ein Ende, indem er das US-Superradar
zerstört, das den gesamten Nahen Osten überwachte [5].
Anschließend zerstört er Radarflugzeuge, die das fehlende
bodengestützte Superradar ersetzen sollten. Das Pentagon braucht eine
Weile, um zu begreifen, dass der Iran über einen Satelliten verfügt,
der ihm einen Überblick über die gesamte Region ermöglicht [6].
Nicht nur die Vereinigten Staaten sind blind, sondern der Iran sieht
alles bis ins Detail. Die Gegenreaktion ist so spektakulär, dass sich
die iranische Öffentlichkeit gegen den Angreifer zusammenschließt.
Eine ganze Generation möchte sich den Bassijis und den Pasdaran
anschließen, also dem Korps der Revolutionsgarden.
Das US-Außenministerium ist nicht effizienter als das des Krieges: Der
Iran greift eine Resolution der UN-Generalversammlung wieder auf, die
einstimmig ohne Abstimmung angenommen wurde und besagt, dass das
Völkerrecht ihm Recht gibt [7]. Teheran
betont, dass die Resolution des Sicherheitsrats, die seine
Vergeltungsmaßnahmen gegen die Golfstaaten verurteilt, gegen das
Völkerrecht verstößt. Die Golfstaaten wissen nicht mehr, an welchen
Heiligen sie sich wenden wem sie vertrauen sollen. Sie verurteilen
weiterhin die iranischen Angriffe, müssen sich jedoch damit abfinden,
dass sie einen schweren Fehler begangen haben: Indem sie
US-Militärstützpunkte beherbergten, glaubten sie, militärisch
geschützt zu sein. Nun stellen sie fest, dass sie sich in Wirklichkeit
vor einer Macht verbeugt haben, die sie in einen Krieg hineingezogen
hat, der nicht der ihre ist.
Da die NATO-Verbündeten erkennen, dass es keine militärische Lösung
geben wird, reagieren sie nicht mehr auf die Aufrufe des Weißen
Hauses, selbst wenn sie an der Vorbereitung der Massaker während der
Demonstrationen beteiligt waren. (Währenddessen) Unterdessen hat China
seine Raketen nicht mehr gegen Taiwan, sondern gegen die
Militärstützpunkte der Vereinigten Staaten im Indopazifik gerichtet [8].
Die ganze Welt passt sich der Lähmung der USA an.
Da ein Unglück selten allein kommt, verbreiten die iranischen
Botschaften animierte Videos, in denen Donald Trumps Schmähungen auf
karikaturistische Weise dargestellt werden. Der Humor wendet die
weltweite öffentliche Meinung gegen den Aggressor.
Wenn man einen Fehler macht und sich weigert, ihn einzugestehen, ist
man immer besteht die Versuchung, ihn noch mehr zu betreiben (tun). Da
die ersten Bombardements nichts gebracht haben, beschließt Präsident
Trump, sie zu verstärken, bis die Iraner nachgeben [9].
Und selbst die Straße von Hormus zu blockieren. Doch die
Munitionsvorräte gehen langsam zur Neige. Das Pentagon muss nun Waffen
requirieren, die eigentlich für andere Einsatzgebiete bestimmt waren.
Donald Trump muss einsehen, dass seine Eskalationsstrategie
gescheitert ist: Da konventionelle Bombardements gegen „das Regime“
nichts bewirkt haben, muss man nun versuchen, den Sieg mit einer
Atombombe zu erringen. Nicht mit einer strategischen Bombe wie in
Hiroshima und Nagasaki, sondern mit einer taktischen Bombe. General
Dan Caine, Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs, erhebt sich
daraufhin gegen ihn. Er erklärt ihm, dass er dagegen sei und
seinerseits kein nukleares Feuer entfachen werde [10].
Donald Trump muss vor der Presse wieder Boden gutmachen.
Präsident Donald Trump kann nur das Scheitern der Vereinigten Staaten
feststellen. Bei der Analyse wird ihm klar, dass sein Ansatz als
Unternehmer – einerseits seine persönliche Verhandlungsweise und
andererseits seine jacksonianische Ideologie, Krieg durch Handel zu
ersetzen – (es) ihm nicht erlaubt, wirksam zu reagieren. Er muss also
einen Kurswechsel vornehmen. Deshalb beschließt er, Anhänger einer
eher klassischen Ideologie wieder an seine Seite zu holen. Als Geste
der Versöhnung benennt er einen Saal im Nebengebäude des Weißen
Hauses, dem Old Executive Building, in «Henry-Clay-Saal» um [11].
Henry Clay war der Hauptgegner von Andrew Jackson.
Seit drei Wochen wendet sich die „MAGA“-Anhängerschaft (Make America
Great Again) von Donald Trump (von ihm) ab. Viele sprechen offen
davon, ihn für dienstunfähig zu erklären und durch Vizepräsident JD
Vance zu ersetzen. Am 25. April 2026 um 20:30 Uhr stürmt ein
Einzeltäter in die Nähe des Ballsaals, in dem die Trump-Regierung die
Pressekorrespondenten empfing. Er versucht, den Präsidenten der
Vereinigten Staaten zu ermorden. Der Secret Service
(Personenschutzdienst) bringt daraufhin den Präsidenten, seine Familie
und die Mitglieder seiner Regierung in Sicherheit. Er greift nicht
zuerst ein, um Donald Trump zu retten, sondern seinen Vizepräsidenten
JD Vance. Der Schütze wird überwältigt, doch die Botschaft ist
angekommen.
Thierry Meyssan
Autor:
Thierry Meyssan
| Übersetzung:
Werner Leuthäusser
| |
[1] The
Strategy of Denial: american defense in an age of
great power conflict, Elbridge Colby, Yale
University Press (2021).
[3] Dépêche 4655 «Qui
est la présidente par intérim du Venezuela ?», Voltaire,
actualité internationale, N°159, 23 janvier
2026.
[5] Dépêche 4959 :
«Les Gardiens de la révolution détruisent le radar
AN/FPS-132», Voltaire,
actualité internationale, N°165, 6 mars 2026.
[7] Résolution 3314
(XXIX) de l’Assemblée générale des Nations unies :
« Définition
de l’agression », Réseau
Voltaire, 14 décembre 1974.
|
Dieser Beitrag ist unter Lizenz der Creative Commons (CC
BY-NC-ND)
 |
Thierry Meyssan: Politischer Berater,
Gründer und Präsident vom Voltaire Netzwerk - Réseau Voltaire. Letztes
französisches Werk: Sous nos yeux - Du 11-Septembre à Donald Trump. |
Link zum Originaltext mit weiteren Leseempfehlungen
bei ' voltairenet.org '
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